Igelstachelbart (Lion's Mane) auf weißem Tuch

Wer in den letzten zwei Jahren etwas über Vitalpilze gelesen hat, ist mit ziemlicher Sicherheit über Lion’s Mane gestolpert. In Kaffee, in Kapseln, in Energydrinks, in Kurzvideos — und fast immer mit demselben Versprechen: schärferer Fokus, besseres Gedächtnis, ein klarerer Kopf.

Dieser Artikel wiederholt dieses Versprechen nicht.

Stattdessen tut er das, was in dieser Kategorie erstaunlich selten vorkommt: Er zeigt, was dieser Pilz tatsächlich ist, was er enthält und was die Studien aus Japan, Taiwan und Großbritannien wirklich ergeben haben. Einschließlich der Untersuchungen, die nichts gefunden haben — denn auch die gehören zum Bild.

Am Ende wissen Sie genau, worauf Sie bei einem Lion’s-Mane-Produkt achten sollten, was Sie nicht für bare Münze nehmen dürfen und warum wir unsere eigene Sprache bewusst zurückhaltend halten.

Was ist Lion’s Mane?

Lion’s Mane ist ein echter, essbarer Pilz. Sein wissenschaftlicher Name lautet Hericium erinaceus, auf Deutsch heißt er Igelstachelbart, gelegentlich auch Affenkopfpilz oder Löwenmähne. Der englische Name beschreibt sein Aussehen: kein klassischer Hut-Stiel-Pilz, sondern ein rundlicher weißer Körper, von dem weiche Stacheln herabhängen wie eine ungekämmte Mähne — oder ein gefrorener Wasserfall.

Die Fruchtkörper erreichen einen Durchmesser von 5 bis 40 Zentimetern, die Stacheln werden ein bis fünf Zentimeter lang oder länger. Das schneeweiße Fleisch vergilbt mit dem Alter und wird schließlich bräunlich.

Heimisch ist er in den Laubwäldern der Nordhalbkugel — sowohl in Nordamerika als auch in Eurasien. Er wächst auf totem oder verletztem Laubholz, am häufigsten auf Buche, Eiche und Ahorn. Ein ergiebiger Pilz ist er nicht: Aus derselben Wunde kann über Jahre hinweg dasselbe Individuum fruchten.

Igelstachelbart an einem bemoosten Baumstamm im Wald

Was kaum jemand weiß

In Europa ist der Igelstachelbart selten und gefährdet. In mehreren europäischen Ländern steht er auf der Roten Liste — wegen schlechter Keimung und schwieriger Etablierung. In Großbritannien ist er nach Anhang 8 des Wildlife and Countryside Act 1981 gesetzlich geschützt; das Sammeln in freier Natur ist dort strafbar. Alles, was als Lion’s Mane verkauft wird, stammt daher aus Kultivierung — der kommerzielle Anbau begann 1988 in China.

Kulinarisch wird er seit Langem geschätzt. Seine dichte, faserige Struktur wird oft mit Krebsfleisch oder Jakobsmuscheln verglichen; junge Exemplare gelten als die besten. Bezogen auf die Trockenmasse enthält er rund 22 % Protein, 57 % Kohlenhydrate (davon etwa 8 % Ballaststoffe) und 4 % Fett.

Die Kultur hinter dem Namen: Yamabushitake und Affenkopf

Lion’s Mane wurde nicht 2020 entdeckt. In Ostasien ist er seit Jahrhunderten bekannt, und seine Namen verraten viel darüber, wie man ihn betrachtet hat.

In Japan heißt er Yamabushitake (山伏茸). Die Yamabushi sind die Bergasketen der Shugendō-Tradition — Mönche, die sich zur Praxis in die Berge zurückzogen. Die herabhängenden Stacheln des Pilzes erinnerten an die Verzierungen ihrer Zeremonialgewänder.

In China trägt er den Namen Hóutóugū (猴头菇), „Affenkopfpilz”, nach der Silhouette eines jungen, kompakten Fruchtkörpers. In der chinesischen Küche gilt er seit Langem als Delikatesse.

Hier lohnt ein kurzer Halt. Eine lange Tradition ist tatsächlich interessant und ein guter Grund, eine Zutat ernsthaft zu untersuchen. Aber Tradition allein ist kein Beweis. Dass Menschen etwas seit Jahrhunderten essen, sagt wenig darüber aus, was es im Körper bewirkt. Dafür braucht es Forschung — und genau die haben wir gelesen.

Was steckt drin? Die Chemie, verständlich erklärt

Das wissenschaftliche Interesse an Lion’s Mane stützt sich auf drei Stoffgruppen. Wer nur diesen Abschnitt liest, weiß bereits mehr als die meisten Käufer.

Hericenone — im Fruchtkörper

Hericenone sind aromatische Verbindungen, die aus dem Fruchtkörper isoliert wurden — also aus dem sichtbaren Pilz selbst. Hirokazu Kawagishi und Kollegen beschrieben sie Anfang der 1990er Jahre; Hericenon C, D und E stimulierten in der Zellkultur die Synthese des Nervenwachstumsfaktors (NGF).

Erinacine — im Myzel

Erinacine sind Diterpenoide, die sich nicht im Fruchtkörper, sondern im Myzel befinden — dem unterirdischen, wurzelartigen Fadengeflecht. Erinacin A ist das am besten untersuchte davon; in gefriergetrockneten Proben wurden Werte um 105–150 µg/g gemessen.

Beta-Glucane — das strukturelle Gerüst

Beta-Glucane sind die Polysaccharide, aus denen die Zellwand von Pilzen besteht. Sie sind generell die am breitesten untersuchten Pilzinhaltsstoffe und — entscheidend für die Kaufentscheidung — im Labor messbar. Ein seriöser Hersteller kann angeben, wie viel Prozent Beta-Glucane sein Produkt enthält. Darauf kommen wir zurück.

Die NGF-Geschichte — und wo das Marketing die Wissenschaft überholt

Hinter fast jeder Lion’s-Mane-Werbung steht dieselbe Argumentationskette: Der Pilz stimuliert NGF → NGF lässt Nervenzellen wachsen → also verbessert der Pilz Ihr Gehirn.

Schauen wir ehrlich hin, wo diese Kette hält und wo sie reißt.

NGF (Nervenwachstumsfaktor) ist ein reales, gründlich dokumentiertes Protein. Rita Levi-Montalcini und Stanley Cohen erhielten 1986 den Medizin-Nobelpreis für seine Entdeckung. Seine Rolle beim Überleben und Erhalt von Nervenzellen ist unstrittig.

Ebenso zutreffend ist, dass Hericenone und Erinacine in der Zellkultur die NGF-Produktion erhöht haben. Mehrere unabhängige Labore haben das bestätigt.

Die Kette gerät genau dort unter Spannung, wo kaum jemand hinsieht: an der Blut-Hirn-Schranke. Damit eine Substanz im Gehirn wirken kann, muss sie erst einmal dorthin gelangen.

Was die Fachliteratur sagt

Erinacin A: Nach oraler Gabe bei Ratten war es bereits eine Stunde später im Hirngewebe nachweisbar. Die Autoren gehen von passiver Diffusion durch die Blut-Hirn-Schranke als vorherrschendem Transportweg aus. (Brandalise et al., Journal of Fungi, 2023)

Hericenone: Der entsprechende Nachweis fehlt. Eine Übersichtsarbeit von 2025 hält fest, dass Hericenone die Blut-Hirn-Schranke „nicht überwinden konnten”, und dass die neuroprotektive Rolle der Hericenone aus dem Fruchtkörper in vivo in der Literatur „weiterhin umstritten” ist. (Cornford & Charnley, Nutrition Research Reviews, 2025)

Das macht den Fruchtkörper nicht wertlos — dazu gleich mehr. Es bedeutet, dass der „NGF-Boost”, der auf den meisten Produkten steht, auf Zellkultur- und Nagerdaten beruht, nicht auf Humanevidenz. Wer das als Wirkung beim Menschen verkauft, überschreitet eine Grenze.

Was die Humanstudien wirklich zeigen

Für diesen Abschnitt haben wir den Artikel geschrieben. Wir haben mit den Originalpublikationen gearbeitet, nicht mit Zusammenfassungen. Wo eine Studie nichts gefunden hat — oder sogar schlechtere Leistungen gemessen hat —, steht das hier.

Mori et al., 2009

Japan · Phytotherapy Research

Teilnehmer30 Personen, 50–80 Jahre, mit leichter kognitiver Beeinträchtigung

Dosis und Form3 g/Tag getrocknetes Fruchtkörperpulver (96-%-Tabletten)

Dauer16 Wochen + 4 Wochen Nachbeobachtung

ErgebnisSignifikant bessere HDS-R-Werte in Woche 8, 12 und 16. Vier Wochen nach Absetzen fielen die Werte signifikant ab.

Nagano et al., 2010

Japan · Biomedical Research

Teilnehmer30 Frauen

Dosis und Form2 g/Tag Fruchtkörper, in Keksen verbacken

Dauer4 Wochen

ErgebnisNiedrigere Depressions- (CES-D) und Beschwerdewerte (ICI) gegenüber dem Ausgangswert.

Saitsu et al., 2019

Japan · Biomedical Research

Teilnehmer31 gesunde Personen über 50

Dosis und FormNahrungsergänzung auf Fruchtkörperbasis

Dauer12 Wochen

ErgebnisNur einer von drei Tests (MMSE) verbesserte sich signifikant. Benton- und S-PA-Test zeigten keinen Unterschied.

Li et al., 2020

Taiwan · Frontiers in Aging Neuroscience

Teilnehmer41 Personen beendeten die Studie, leichte Alzheimer-Erkrankung

Dosis und Form1.050 mg/Tag Erinacin-A-angereichertes Myzel

Dauer49 Wochen

ErgebnisMMSE verbessert (21,75 → 23,2; p=0,035). Alltagsfähigkeiten (IADL) signifikant besser als Placebo (p=0,012). CASI verfehlte die Signifikanz (p=0,058). Vom Hersteller finanziert.

Docherty et al., 2023

Großbritannien · Nutrients

Teilnehmer41 gesunde Personen, 18–45 Jahre

Dosis und Form1,8 g/Tag Pilzkomplex

DauerAkut (60 Min.) + 28 Tage

ErgebnisSchnellere Stroop-Reaktionszeit 60 Minuten nach Einnahme (p=0,005). Zugleich weniger erinnerte Wörter (p=0,013). Die Abnahme der Stresswerte verfehlte die Signifikanz (p=0,051).

Surendran et al., 2025

Großbritannien · Frontiers in Nutrition

Teilnehmer18 gesunde Personen, Durchschnittsalter 22,8

Dosis und Form3 g eines 10:1-Fruchtkörperextrakts, Einzeldosis

DauerAkut (90 Min.)

ErgebnisKeine Wirkung auf die kognitive Gesamtleistung und die Stimmung. Feinmotorik verbessert; Flanker- und TMT-B-Test verschlechtert.

Wie ist das zu lesen?

Vier Dinge fallen auf, wenn man die Studien nebeneinanderlegt.

1. Die meisten positiven Befunde stammen von Menschen, bei denen es etwas zu verbessern gab. Leichte kognitive Beeinträchtigung, beginnende Alzheimer-Erkrankung, ältere Teilnehmer. Die Studien an jungen, gesunden Erwachsenen — Docherty 2023, Surendran 2025 — lieferten gemischte oder gar keine Ergebnisse. Das ist plausibel: Wer bei einem Test bereits nahe am Maximum liegt, bei dem lässt sich schwer eine Verbesserung messen.

2. Die Wirkung hielt nicht an. Das wichtigste und zugleich am seltensten zitierte Detail der Mori-Studie: Vier Wochen nach dem Absetzen fielen die Werte signifikant ab. Wenn es eine Wirkung gibt, ist sie an die fortgesetzte Einnahme gebunden.

3. Die Stichproben sind sehr klein. Achtzehn, dreißig, einunddreißig, einundvierzig. Das sind Pilotstudien. Für die Zulassung eines Arzneimittels wären Tausende von Teilnehmern nötig.

4. Die Präparate sind nicht vergleichbar. Eine Studie verwendete getrocknetes Fruchtkörperpulver, eine andere Erinacin-A-angereichertes Myzel, eine dritte einen 10:1-Extrakt. Chemisch sind das verschiedene Produkte. Das taiwanesische Ergebnis lässt sich nicht einfach auf ein Fruchtkörperpulver übertragen — und umgekehrt ebenso wenig.

Die ehrliche Bilanz

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 (Menon et al.) sichtete 26 Studien — davon waren nur neun am Menschen: fünf randomisierte kontrollierte Studien und drei Pilotstudien. Die unabhängige Bewertung der Alzheimer’s Drug Discovery Foundation formuliert es deutlich: Die klinischen Studien wurden „mit geringen Teilnehmerzahlen und kurzer Behandlungsdauer” durchgeführt.

Die faire Formulierung lautet daher: Lion’s Mane ist vielversprechend, ernsthaft erforscht und beim Menschen noch nicht belegt. Wer mehr behauptet, zitiert nicht die Fachliteratur.

Fruchtkörper oder Myzel? Der entscheidende Unterschied

Wenn Sie eine praktische Erkenntnis aus diesem Artikel mitnehmen, dann diese.

Der Fruchtkörper ist der Pilz selbst: das, was man erntet, trocknet und mahlt. Das Myzel ist das Fadengeflecht, das durch das Substrat wächst.

Das Problem ist nicht das Myzel als solches. Das Problem ist, wie ein großer Teil des Marktes es herstellt: Das Myzel wird auf Getreide gezogen — meist Reis oder Hafer — und anschließend gemeinsam mit dem Substrat getrocknet und gemahlen. Dieses Verfahren heißt myceliated grain. Ein erheblicher Teil des Endprodukts ist damit Stärke, nicht Pilz.

Daher stammt der häufigste Etikettentrick der Branche. Viele Produkte geben einen „Polysaccharid-Gehalt” an — aber auch Stärke ist ein Polysaccharid. Ein hoher Polysaccharidwert kann schlicht bedeuten: viel Reis. Deshalb sollten Sie nach dem Beta-Glucan-Gehalt fragen, nicht nach Polysacchariden.

Ist Myzel also schlecht?

Nein — und die Differenzierung ist wichtig. Die meisten Artikel lassen sie weg.

Erinacine kommen ausschließlich im Myzel vor, und ausgerechnet Erinacin A ist die Verbindung mit den besten Daten zur Blut-Hirn-Schranke. Auch die 49-wöchige taiwanesische Alzheimer-Studie verwendete angereichertes Myzel, keinen Fruchtkörper.

Die faire Unterscheidung lautet daher nicht „Fruchtkörper gut, Myzel schlecht”, sondern: Auf Getreide gezogenes und mitsamt Substrat vermahlenes Myzel ist das Problem — nicht unter kontrollierten Bedingungen kultiviertes, gezielt auf Erinacin A angereichertes Myzel, das eine völlig andere Produktkategorie darstellt.

Der europäische Rechtsunterschied

Hier gibt es auch eine rein rechtliche Dimension, die man als Käufer in der EU kennen sollte.

Praktisch heißt das: Enthält ein in Europa verkauftes Produkt Myzelpulver, dürfen Sie berechtigt nach der Zulassung fragen.

Das Etikett lesen: Extraktion, Verhältnisse und Beta-Glucane

Warum rohes Pulver nicht genügt

Die Zellwand von Pilzen besteht aus Chitin — demselben Material wie der Panzer von Insekten. Die menschliche Verdauung baut es nicht effizient ab. Öffnet sich die Zellwand nicht, passiert ein Großteil des Inhalts den Körper unverändert.

Deshalb ist die Heißwasserextraktion der fachliche Mindeststandard: eine lange, nahe dem Siedepunkt geführte Extraktion, die die Zellwand aufschließt und die Beta-Glucane in Lösung bringt. Eine Dualextraktion (Wasser plus Ethanol) gewinnt zusätzlich nicht wasserlösliche Verbindungen wie Terpenoide.

Was bedeutet „10:1″?

Im Prinzip, dass aus 10 kg Ausgangsmaterial 1 kg Extrakt gewonnen wurde. In der Praxis garantiert die Zahl für sich genommen nichts, denn sie sagt nicht, was konzentriert wurde. Ein hohes Verhältnis kann mit einem niedrigen Beta-Glucan-Gehalt einhergehen.

Ein Extraktverhältnis ist eine Marketingzahl. Ein Beta-Glucan-Prozentsatz ist ein Messwert. Das ist nicht dasselbe.

Checkliste vor dem Kauf

  • Steht dort Fruchtkörper oder Myzel? Wenn es nicht dabeisteht, ist auch das eine Antwort.
  • Wird ein Beta-Glucan-Prozentsatz angegeben — nicht nur „Polysaccharide”?
  • Ist die tatsächliche Milligramm-Menge pro Portion genannt, statt nur „Pilzkomplex”?
  • Wird das Extraktionsverfahren benannt (Heißwasser, dual)?
  • Bei Myzel: auf Getreide gezogen? Liegt eine EU-Novel-Food-Zulassung vor?
  • Gibt es unabhängige Laboranalysen, und werden sie auf Anfrage zugeschickt?
  • Verspricht die Marke konkrete gesundheitliche Wirkungen? In der EU ist das unzulässig — und ein Warnsignal.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Nach der verfügbaren Datenlage hat Lion’s Mane ein günstiges Sicherheitsprofil — aber kein makelloses, und zur ehrlichen Information gehört das ganze Bild.

LiverTox, die Datenbank der US-amerikanischen National Institutes of Health, ordnet Lion’s Mane die Kategorie „E” zu: unwahrscheinliche Ursache einer klinisch relevanten Leberschädigung. In der Monografie heißt es, es gebe „keine Fallberichte über klinisch manifeste Leberschäden, die Lion’s Mane zugeschrieben werden”.

In klinischen Studien traten am häufigsten leichte Magen-Darm-Beschwerden auf — Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall —, typischerweise bei weniger als 10 % der Teilnehmer. In der 49-wöchigen taiwanesischen Studie brachen vier Teilnehmer wegen Bauchbeschwerden, Übelkeit und Hautausschlag ab; die Gesamtrate unerwünschter Ereignisse lag bei 8,2 %.

Wer sollte vorsichtig sein?

Lion’s Mane und Kaffee — warum beides zusammenpasst

Es gibt hier ein praktisches Argument, das sich direkt aus der Forschung ergibt und selten genannt wird.

Die zentrale Lehre aus der Mori-Studie war nicht, dass sich die Werte verbesserten — sondern dass sie nach dem Absetzen wieder abfielen. Wenn es eine Wirkung gibt, hängt sie an der Regelmäßigkeit. Und Regelmäßigkeit ist der schwierigste Teil jeder Nahrungsergänzung: Kapseln werden vergessen.

Der Morgenkaffee nicht. Kaffee ist bereits ein tägliches Ritual — es muss keine neue Gewohnheit darum herum aufgebaut werden. Das ist das stärkste, rein logistische Argument dafür, Lion’s Mane in den Kaffee zu geben.

Zerstört die Hitze die Wirkstoffe nicht?

Bei Beta-Glucanen ist die Antwort überraschend einfach: Das Standard-Extraktionsverfahren ist selbst heißes Wasser, über Stunden nahe dem Siedepunkt. Beta-Glucane werden mit Hitze gewonnen. Eine Brühtemperatur von 92–96 °C zerstört sie also nicht; sie bewirkt weitgehend dasselbe wie ein Labor.

Zur Hitzestabilität der Hericenone im Besonderen liegen jedoch zu wenige publizierte Daten vor, um eine belastbare Aussage zu treffen. Das schreiben wir lieber hin, als es zu umgehen.

Das eigentliche Problem mit Pilzkaffee

Es ist nicht der Pilz. Es ist der Kaffee.

Ein Großteil der Kategorie basiert auf Instantkaffee, weil sich Pulver mit Pulver am einfachsten mischen lässt. Das Ergebnis ist günstig und schnell herzustellen — meist trinkbar, selten gut. Wer Kaffee schätzt, schmeckt den Unterschied sofort. Und so endet die Erfahrung der meisten Menschen mit dieser Kategorie gleich: „Einmal probiert, die Packung nie aufgebraucht.”

Ein Produkt, das Sie nicht trinken, kann nichts bewirken. Kaffeequalität ist hier keine ästhetische Frage — sie ist die Voraussetzung dafür, dass das Ganze überhaupt funktioniert.

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Warum wir nichts versprechen — und warum das eine gute Nachricht ist

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, ist Ihnen aufgefallen, dass wir nirgends geschrieben haben: „Lion’s Mane verbessert das Gedächtnis” oder „schärft den Fokus”.

Dafür gibt es zwei Gründe, und beide gehören gesagt.

Der erste ist rechtlich. In der Europäischen Union regelt die Verordnung (EG) 1924/2006, was über ein Lebensmittel gesundheitsbezogen behauptet werden darf. Zulässig sind nur zugelassene Angaben. Für Lion’s Mane gibt es — wie für die meisten pflanzlichen und pilzlichen Zutaten — keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Rund zweitausend Botanical-Claims befinden sich seit Jahren „on hold” in der Bewertung. Wer dennoch eine konkrete Wirkung bewirbt, ist nicht mutig, sondern handelt rechtswidrig.

Der zweite ist einfacher. Wir wissen es nicht. Wie oben zu sehen: neun Humanstudien, Stichproben zwischen achtzehn und einundvierzig Personen, gemischte Ergebnisse. Darauf lässt sich redlich kein Versprechen bauen — und wir wollen das auch nicht.

Was wir dagegen genau wissen und offen angeben: was in der Packung ist, wie viel, woher es stammt und wie es hergestellt wurde. Das ist es, was eine Premiummarke tatsächlich garantieren kann. Den Rest überlassen wir der Forschung.


Häufige Fragen zu Lion’s Mane

Was ist Lion’s Mane auf Deutsch?

Lion’s Mane ist die englische Bezeichnung für Hericium erinaceus, auf Deutsch Igelstachelbart, gelegentlich auch Affenkopfpilz oder Löwenmähne. Alle Namen bezeichnen dieselbe Art.

Wie lange dauert es, bis Lion’s Mane wirkt?

In den längeren Studien zeigten sich messbare Veränderungen in der Regel nach 8 bis 16 Wochen regelmäßiger Einnahme. Akutversuche mit einer Einzeldosis ergaben keine konsistente Wirkung. Wer sofortige Ergebnisse verspricht, beruft sich nicht auf die Fachliteratur.

Wie hoch ist die übliche Tagesdosis?

Klinische Studien verwendeten je nach Form zwischen 1 und 3 Gramm täglich. Eine offiziell festgelegte empfohlene Tagesdosis existiert nicht — die Dosierung unterscheidet sich je nach Präparat, und verschiedene Formen sind nicht vergleichbar.

Kann man Lion’s Mane täglich einnehmen?

In Studien wurde über Zeiträume von 4 bis 49 Wochen täglich eingenommen, ohne schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Leichte Magen-Darm-Beschwerden traten bei weniger als 10 % der Teilnehmer auf. Bei Pilzallergie, Schwangerschaft, Stillzeit oder medikamentöser Behandlung sollte vorab ärztlicher Rat eingeholt werden.

Fruchtkörper oder Myzel — was ist besser?

Sie enthalten unterschiedliche Verbindungen: Hericenone im Fruchtkörper, Erinacine im Myzel. Der eigentliche Unterschied verläuft nicht zwischen beiden, sondern bei der Frage, ob das Myzel auf Getreide gezogen wurde — ein großer Teil solcher Produkte ist Stärke. In der EU gilt getrocknetes Myzelpulver zudem als zulassungspflichtiges neuartiges Lebensmittel.

Zerstört das Aufbrühen die Inhaltsstoffe?

Beta-Glucane werden im Standardverfahren gerade mit heißem Wasser gewonnen, Brühtemperaturen bauen sie also nicht ab. Zur Hitzestabilität der Hericenone im Besonderen liegen zu wenige publizierte Daten vor.

Enthält Lion’s Mane Koffein?

Nein. Lion’s Mane ist ein Pilz und enthält kein Koffein. In einem Lion’s-Mane-Kaffee stammt das gesamte Koffein aus dem Kaffee.

Ist der Verkauf von Lion’s Mane in der EU erlaubt?

Ja. Fruchtkörper und Heißwasserextrakt gelten nicht als neuartige Lebensmittel, da der Verzehr in der Union vor dem 15. Mai 1997 belegt ist. Getrocknetes Myzelpulver ist dagegen ein neuartiges Lebensmittel und benötigt eine Zulassung nach der Verordnung (EU) 2015/2283.


Wenn Sie bis hierher gekommen sind

Dann wissen Sie jetzt mehr über Lion’s Mane als die meisten, die ihn verkaufen.

Sie wissen, dass es sich um einen echten Pilz handelt, der in Teilen Europas selten und gesetzlich geschützt ist. Sie wissen, dass Hericenone im Fruchtkörper und Erinacine im Myzel sitzen und dass die Blut-Hirn-Schranke das schwächste Glied der Argumentation ist. Sie wissen, dass es neun Humanstudien gibt, dass mehrere gemischte Ergebnisse lieferten und dass die Wirkung nach dem Absetzen verblasste. Sie wissen, was Sie zu einem Etikett fragen sollten.

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Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und Aufklärung. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Produkte des Pilessavio Coffee Club sind Lebensmittel, keine Arzneimittel, und nicht dazu bestimmt, Krankheiten vorzubeugen, sie zu behandeln oder zu heilen. Die hier zitierten Forschungsergebnisse stammen aus der wissenschaftlichen Fachliteratur und stellen keine Aussage über Pilessavio-Produkte dar. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

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